Mit diesem Wunsch endete ein Artikel in der letzten swing - aber unsere Wünsche gehen ja eh so gut wie nie in Erfüllung.
„Es hätte schlimmer kommen können!" - „Ist doch gut gelaufen!" - „Ohje, das war zu wenig!" war danach zu hören und es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass es nach einem unübersichtlichem und langen Tag spontan äußerst verschiedene Einschätzungen gab, wie denn unsere Mobilisierung und unsere Gegenaktivitäten am 1. Mai zu bewerten seien.
Das auch vor dem Hintergrund, dass für die letzten Jahre nicht auf vergleichbare Geschehnisse hier in der Region Bezug genommen werden kann, gab es doch weder eine Nazimobilisierung dieser Größenordnung noch eine im weitesten Sinne „linksradikale" Demo mit 3000-4000 Teilnehmerinnen.
Zuallererst gilt es wohl zu akzeptieren (im Sinn von wahrzunehmen), dass ein Stück gesellschaftspolitischer Normalität; nämlich die Präsenz militanter Neonazis, zumindest für diesen Tag einen Platz auch in Frankfurt zur Verfügung hatte. Das partielle Erschrecken darüber, dass sie ihre Kundgebung hier abhalten konnten, speist sich auch daraus, dass im Alltag Stiefelfaschisten in Frankfurt nicht viel zu melden haben. Dass sie mit bis zu 1000 Leuten hier eine Kundgebung abhalten können, bei zeitgleichen NPD-Aufmärschen in anderen Städten, ist Ausdruck der Mobilisierungsstärke der militanten Naziszene in der BRD. Dass diese Art Kundgebung von uns nicht verhindert werden kann, ist leider nichts Besonderes, sondern bundesweit gesehen eine regelmäßige Erfahrung. Nazis konnten erstmals seit rund 30 Jahren in dieser Größenordnung in Frankfurt wieder eine Kundgebung abhalten, nicht wegen unserer Unfähigkeit und Schwäche; sondern aufgrund der Stärke ihrer Strukturen und der massiven Unterstützung der Bullen.
Die Nazis werden den 1. Mai in Frankfurt für sich als Erfolg werten („Der Mythos ist geknackt")'und sie haben innerhalb ihrer eigenen Logik damit auch recht, obwohl sie auch nicht gerade einen tollen Tag hier hatten, manche von ihnen sogar eher einen üblen. Ihre Kader werden erneut zu Demos nach Frankfurt mobilisieren und wir werden dann sehen, ob ihre offiziellen Erklärungen Zweckpropaganda sind oder ob die Masse von ihnen wiederkommt.
Sprechen wir über Angenehmeres - kommen wir zu uns. Wir waren relativ zahlreich: für inige die erste Demo seitlanger Zeit wieder und für nicht Wenige die erste (größere) überhaupt. Außerdem waren da noch ein paar Leute, die überregional anreisten. Die Struktur war teilweise arg chaotisch. (Heh! Das Angenehme war aber schnell zu Ende; die Korrekturleserin). So gut die Idee ist, an mehreren Stellen gleichzeitig zu blockieren, so steht und fällt doch dieses Konzept mit den Möglichkeiten, eigene Informationswege bereitzustellen, zu nutzen und verbindlich am jeweiligen Ort die Demonstrantinnen über den Stand der , Dinge zu informieren oder auch Ideen für das weitere Vorgehen durchzugeben. Zumindest am Blockadepunkt Eschersheimer Landstr/Miquel-AdickesAllee vor dem Wohnungsamt War es schwer durcheinander. Kaum eigene Infrastruktur, verschiedene sich teilweise widersprechende Durchsagen, kaum Grüppchen vor Ort, die sich auch mal gemeinsam besprechen und sich zusammen Gedanken machen. Teilweise war eher So'n bißchen Partystimmung - was ich ja eigentlich nicht so schlimm finde, zumindest wenn sie zu einem anderen Zeitpunkt durch entschiedenes Verhalten und Handeln ergänzt wird. Damit meine ich noch gar nicht irgendwelche „Heldentaten'; sondern z.B. einfach die gemeinsame Standfestigkeit, beim langsamen Anrücken einer Polizeikette nicht sofort auseinanderzustürzen, sondern eigene Ketten zu behalten. Der 1. Mai hat auch Auskunft über unsere Strukturen und Möglichkeiten gegeben und es zeigte sich halt einfach, dass es nicht mehr arg viele Zusammenhänge gibt, die eine verbindliche Infrastruktur für so einen Tag tragen, bzw. als handlungsfähige Gruppen eigenständig agieren. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass es einen Haufen Menschen gibt, die sich den Nazis in den Weg stellen wollen, darunter sehr viele junge Leute. Auch unter den Demonstrantinnen, die in der Innenstadt an der Römerbergbündnis-Demo teilnahmen, waren viele, die es gut fanden, dass versucht wurde, die Nazis direkt zu konfrontieren, es sich aber persönlich nicht zutrauten. Der 1. Mai hat viele beschäftigt und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass von unserer Seite her in Zukunft noch Einiges besser gemacht werden wird: dass sich mehr Leute beim nächsten Mal in die Vorbereitung einklinken, dass sich mehr Kleingruppen darauf vorbereiten, die Infrastruktur der Nazis noch entschiedener zu attackieren und hoffentlich kriegen wir es dann auch hin, mal den einen oder anderen Redebeitrag zu halten oder zu hören. Denn es ist noch nicht alles gesagt zwischen uns und auch so manchen Anwohnerin hatte durchaus ein offenes Ohr für uns.