IG Farben - kleine Presseschau

Stadt Frankfurt am Main - Presse- und Informationsamt

I.G. Farben soll bis 2003 liquidiert werden - Tumulte bei Hauptversammlung

Frankfurt/Main (dpa) - Die Abwicklung des einstigen I.G. Farben-Konzerns soll 2003 abgeschlossen werden. Es sei gelungen, einen potenziellen Käufer für die noch im Konzernbesitz befindlichen Immobilien zu finden, sagte der Liquidator der I.G. Farben AG in Abwicklung, Otto Bernhardt, am Montag in Frankfurt auf deren Hauptversammlung.

Mit einem Verkauf käme man dem Ziel, die Liquidation 2003 zu beenden, "ein deutliches Stück näher". Sein Kollege Volker Pollehn schränkte allerdings ein, es seien noch "längst nicht alle in den Pflichtenkreis der Liquidatoren fallenden Probleme gelöst".

Demonstranten und kritische Aktionäre forderten eine Auflösung der Gesellschaft noch in diesem Jahr. Zu Beginn der Hauptversammlung war es zu Rangeleien zwischen dem Ordnungsdienst und etwa 20 Protestierern gekommen, die lautstark versucht hatten, den Beginn der Veranstaltung zu verhindern. Die I.G. Farben AG in Abwicklung, Rechtsnachfolgerin des in die Verbrechen des Nazi-Regimes verstrickten Chemie-Riesen I.G. Farben, sieht sich seit Jahren mit dem Widerstand von Gegnern und früheren Opfern konfrontiert. Nach Aussage der Liquidatoren ist eine Stiftung zur Entschädigung von Zwangsarbeitern mit einem anfänglichen Stiftungsvermögen von 500.000 Mark seit wenigen Tagen eingerichtet.


HR-Online

TUMULTE BEI IG FARBEN-HAUPTVERSAMMLUNG

Die IG Farben AG in Abwicklung soll bis zum Jahr 2003 aufgelöst werden.

Das kündigte Liquidator Bernhardt in Frankfurt an. Sein Kollege Pollehn schränkte allerdings ein, dass noch nicht alle Probleme gelöst seien. Wie die Liquidatoren weiter mitteilten, wurde eine Stiftung zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter mit einem Vermögen von 500.000 DM eingerichtet.

Am Rande der Hauptversammlung kam es zu Rangeleien.Vor dem Gebäude demonstrierten etwa 100 Menschen gegen den Rechtsnachfolger des in Naziverbrechen verstrickten früheren IG Farben-Konzerns.


Rhein-Main.Net

Schlussstrich bei I.G. Farben angekündigt

Frankfurt (dpa) Unter eines der düstersten Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte soll bald endgültig ein Schlussstrich gezogen werden. Der einstige Chemieriese I.G. Farben, während des 2. Weltkrieges verstrickt in die Verbrechen des Nazi-Regimes, soll bis 2003 vollständig abgewickelt werden.

Dieses Datum nannte Otto Bernhardt, Liquidator der I.G. Farben AG in Abwicklung, dem Rechtsnachfolger des Chemiekonzerns, am Montag auf der Hauptversammlung der Gesellschaft in Frankfurt. Wie schon in den Jahren zuvor stand die Veranstaltung im Zeichen lautstarker Proteste von I.G. Farben-Gegnern, die eine sofortige Auflösung der Gesellschaft zu Gunsten der früheren Zwangsarbeiter forderten.

Zweifel am angekündigten Zeitplan wurden noch auf der Versammlung laut. Ein Aktionär mutmaßte, die Liquidation wird sich hinziehen, solange Masse vorhanden ist. Auf 20,7 Millionen Mark ist das Abwicklungskapital der Gesellschaft im vergangenen Jahr geschrumpft. Für die verbliebenen Immobilien, die zuletzt das Hauptgeschäft ausmachten, gibt es nach Auskunft von Bernhardt einen potenziellen Käufer. Bei einem Erfolg werde man dem Ziel, die Liquidation im Jahre 2003 zu beenden, ein deutliches Stück näher kommen.

Einige Brocken gilt es nach Auskunft des zweiten Liquidators Volker Pollehn noch aus dem Weg zu räumen. Bestrebungen, ehemaliges Ostvermögen zurückzubekommen, haben die Abwickler nach eigener Aussage zwar inzwischen aufgegeben. Ansprüche auf angebliche ehemalige Auslandsvermögen der I.G.Farben in Milliardenhöhe im Besitz der Schweizer Großbank UBS wollen sie dagegen noch nicht aufgeben. Wir werden unser Ziel, in dieser Affäre die Wahrheit ans Licht zu fördern, nicht aufgeben, sagte Pollehn. Weitere Knackpunkte seien das Problem der Pensionslasten und die aktuell noch neun anhängigen Verfahren, die ehemalige Zwangsarbeiter gegen die I.G. Farben angestrengt haben. Er sei überzeugt, dass diese keine Aussicht auf Erfolg hätten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft, Ernst Krienke, der sich bereits in den vergangenen Jahren immer wieder lautstarke Auseinandersetzungen mit I.G. Farben-Gegnern geliefert hatte, wies den Verdacht, die Abwicklung könnte künstlich verzögert werden, zurück. Ich wüsste Besseres zu tun, als mich mit ihnen rumzustreiten, sagte er mit Verweis auf die erneut hitzige Stimmung in der Versammlungshalle. Krienke berichtete von Drohungen gegen ihn und einen Anschlag auf den Liquidator Pollehn.

Vor der von der Polizei abgeriegelten Halle hatten rund 100 Demonstranten die sofortige Auflösung der Gesellschaft gefordert. Zu Tumulten kam es auch im Versammlungsraum, wo etwa 20 Protestierer eine Menschenkette bildeten und I.G. Farben hier und heute Mörder zeigen ihre Beute skandierten. Der Ordnungsdienst schleppte die Demonstranten zum Teil gewaltsam aus der Halle.

Auslöser für die seit Jahren heftig geführten Auseinandersetzungen ist die braune Vergangenheit der I.G. Farben. 1944 hatte der Chemie-Konzern weit mehr als 80.000 ausländische Arbeiter und Häftlinge von Konzentrationslagern in den Dienst der Nazi-Diktatur gestellt. Die Beteiligungsgesellschaft Degesch produzierte das in den Gaskammern der Konzentrationslager eingesetzte Giftgas Zyklon-B. Nach dem Krieg wurde die bereits während der Weimarer Republik gegründete I.G. Farben von den Alliierten entflochten. Rechtsnachfolgerin wurde die I.G. Farben i.A., aus einzelnen Betriebsteilen entstanden die Chemie-Konzerne BASF, Bayer und Hoechst.

Das Bekenntnis der Liquidatoren zur Mitverantwortung der I.G. Farben für Massenmord und Zwangsarbeit und die kürzlich erfolgte Einrichtung einer Stiftung für Zwangsarbeiter mit einem Kapital von 500.000 DM war den Kritikern allerdings nicht genug. Sie forderten eine sofortige Auflösung des I.G. Farben-Nachfolgers und die Auszahlung des gesamten Vermögens an die Zwangsarbeiter.


SPIEGEL ONLINE

umulte auf der Hauptversammlung der I.G.-Farben-Nachfolgerin

Die Abwicklung des einstigen I.G.-Farben-Konzerns soll 2003 abgeschlossen werden. Den Gegnern des ehemaligen Nazi-Konzerns geht das nicht schnell genug.

Frankfurt am Main - Es sei gelungen, einen potenziellen Käufer für die noch im Konzernbesitz befindlichen Immobilien zu finden, sagte der Liquidator der I.G. Farben in Abwicklung, Otto Bernhardt, am Montag in Frankfurt auf deren Hauptversammlung. Mit einem Verkauf käme man dem Ziel, die Liquidation 2003 zu beenden, "ein deutliches Stück näher". Sein Kollege Volker Pollehn schränkte allerdings ein, es seien noch "längst nicht alle in den Pflichtenkreis der Liquidatoren fallenden Probleme gelöst".

Demonstranten und kritische Aktionäre forderten eine Auflösung der Gesellschaft noch in diesem Jahr. Zu Beginn der Hauptversammlung war es zu Rangeleien zwischen dem Ordnungsdienst und etwa 20 Protestierenden gekommen, die lautstark versucht hatten, den Beginn der Veranstaltung zu verhindern.

Die "I.G. Farben in Abwicklung", Rechtsnachfolgerin des in die Verbrechen des Nazi-Regimes verstrickten Chemie-Riesen I.G. Farben, sieht sich seit Jahren mit dem Widerstand von Gegnern und früheren Opfern konfrontiert. Nach Aussage der Liquidatoren ist eine Stiftung zur Entschädigung von Zwangsarbeitern mit einem anfänglichen Stiftungsvermögen von 500.000 Mark seit wenigen Tagen eingerichtet.


Yahoo-News

IG Farben soll bis 2003 abgewickelt werden

Antrag auf sofortige Auflösung bei Hauptversammlung ohne Chance - Proteste und Tumulte - Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Frankfurt/Main (AP) Die IG Farben soll bis zum Jahr 2003 abgewickelt werden. Dies bestätigten die Liquidatoren der Gesellschaft, Volker Pollehn und Otto Bernhardt, am Montag auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Dem Antrag kritischer Aktionäre, die Gesellschaft zum Jahresende aufzulösen und das Restvermögen an ehemalige Zwangsarbeiter zu verteilen, wurden keine Chancen eingeräumt. Tumultartige Szenen und Proteste begleiteten die Veranstaltung der Nachfolge-Gesellschaft der früheren IG Farben, die während der NS-Zeit an der Produktion des Giftgases Zyklon B beteiligt war.

Etwa 100 Demonstranten empfingen die Aktionäre am Morgen vor der Stadthalle im Frankfurter Ortsteil Bergen mit Spruchbändern wie "IG-Farben-Geld für Zwangsarbeiter". Im Saal skandierten 15 bis 20 überwiegend junge Leute vor dem Podium Parolen gegen die Gesellschaft; Sicherheitskräfte griffen hart durch und bugsierten sie aus dem Saal. Der IG-Farben-Aufsichtsratsvorsitzende Ernst Krienke drohte den Demonstranten mit strafrechtlichen Konsequenzen.

Auch die spätere Generaldebatte verlief in äußerst gespannter Stimmung. Mitglieder des Dachverbands der Kritischen Aktionäre sowie andere kritische Anteilseigner erinnerten an die moralische Verantwortung des Unternehmens. Ihr Antrag, die Gesellschaft bis Ende 2001 aufzulösen, das Restgeld an Zwangsarbeiter zu verteilen, sowie Krienke als Aufsichtsratsvorsitzenden abzusetzen, galt jedoch als chancenlos.

Pollehn, der einigen der kritischen Redner Scheinheiligkeit vorwarf, erklärte, laut dem Aktiengesetz stehe das Vermögen einer Gesellschaft den Aktionären zu. Nur wenn diese sich zu 100 Prozent einig seien, könne es anderen Zwecken zugeführt werden. Er betonte ebenso wie Krienke, dass die IG Farben bereits in den Nachkriegsjahren Entschädigungszahlungen geleistet habe. Demgegenüber bemängelten kritische Aktionäre, dass eine bereits 1999 beschlossene Stiftung zur Entschädigung von Zwangsarbeitern erst vor kurzer Zeit eingerichtet und überdies nur mit 500.000 statt drei Millionen Mark ausgestattet worden sei. Grund dafür waren nach Angaben des Aufsichtsrats rechtliche Probleme.

Die IG Farben ist nicht produktiv tätig, ihr Kapital steckt in Immobilien in Nordrhein-Westfalen. Das Abschlusskapital im Geschäftsjahr 2000 lag nach Worten Bernhardts bei 20,7 Millionen Mark. Für die Immobilien wurde seinen Angaben zufolge inzwischen ein Käufer gefunden. Man hoffe, bei der Hauptversammlung im kommenden Jahr den Vollzug melden zu können. Damit sei man dem Ziel, die Liquidation 2003 zu beenden, "ein deutliches Stück" nähergerückt.

Die so genannte IG Farben in Abwicklung besteht seit 1952. Ihre Aufgabe ist die Liquidation der Gesellschaft, die nach der Zerschlagung der IG Farben nach dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben ist. Einer der Hauptkritikpunkte ist die lange Dauer dieses Verfahrens.


Yahoo-News

IG-Farben-Hauptversammlung beginnt mit Tumulten

Gesellschaft stimmt über Auflösung ab

Frankfurt/Main (AP) Mit Protesten und Tumulten hat am Montagmorgen die Hauptversammlung der IG Farben in Frankfurt am Main begonnen. Vor der Tagungshalle im Stadtteil Bergen versammelten sich etwa 100 Demonstranten, darunter auch eine Reihe früherer NS-Zwangsarbeiter, und forderten die Auflösung der Gesellschaft. Im Saal protestierten vor allem junge Leute lautstark gegen die IG Farben. Sicherheitskräfte griffen hart durch. Es kam zu tumultartigen Szenen, Leute mit Kameras wurden des Saales verwiesen.

Die IG Farben in Abwicklung wollte auf der Hauptversammlung über ihre Auflösung zum 31. Dezember 2001 abstimmen. Ein entsprechender Zusatzantrag wurde auf Drängen des Dachverbands der Kritischen Aktionäre und der Coordination gegen Bayer-Gefahren e.V. auf die Tagesordnung genommen. Beide Organisationen wollten ferner die Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Krienke erreichen sowie die Verteilung des Restvermögens der Gesellschaft an ehemalige Zwangsarbeiter. Es wurde allerdings nicht erwartet, dass diese Anträge angenommen würden.

Der Ortbeirat des Frankfurter Stadtteils Bergen hatte sich dagegen ausgesprochen, dass die IG-Hauptversammlung in der dortigen Stadthalle abgehalten wird. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte aber im Juli angeordnet, dass die Stadt der Gesellschaft in Auflösung Räume zur Verfügung stellen müsse.


Yahoo-News

Stichwort: IG Farben

Frankfurt/Main (AP) Die Interessengemeinschaft Farbenindustrie entstand 1925 als Fusion von Chemiekonzernen wie BASF, Agfa und Hoechst. Während des Zweiten Weltkrieges konnte das Unternehmen Chemiefirmen in den von Deutschland besetzten Gebieten übernehmen und dort Rüstungsbetriebe aufbauen. In Auschwitz unterhielt das Unternehmen ab 1941 ein Konzentrationslager, die Tochterfirma Degesch produzierte das Giftgas für die Todeskammern, Zyklon B.

Der Umsatz der IG Farben stieg während des Krieges mit der Herstellung kriegswichtiger Produkte wie Treib- und Sprengstoff beträchtlich. 1942 beschäftigte das größte Industrieunternehmen des Deutschen Reichs rund 190.000 Menschen. Auch mit Wehrmacht, Abwehr und SS arbeitete das Unternehmen zusammen. Ab 1941 betrieb die Firma in Auschwitz ein konzerneigenes KZ für Zwangsarbeiter im dortigen IG-Farben-Werk.

1944 beschäftigte sie mehr als 83.000 ausländische Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Im Arbeitslager Auschwitz-Monowitz starben insgesamt 120.000 Menschen. Die heutigen IG-Farben-Liquidatoren sehen in dem Konzern "das Negativsymbol für die Zusammenarbeit der deutschen Großindustrie mit dem Nationalsozialismus".

Nach dem Krieg wurde das Unternehmen in den drei Westzonen beschlagnahmt und zerschlagen. Zu den Nachfolgefirmen gehören BASF, Hoechst und Bayer. Führende Funktionäre der IG Farben wurden 1948 vom Nürnberger Tribunal zu Haftstrafen bis zu acht Jahren verurteilt, doch bis 1951 wurden alle von den US-Besatzungsbehörden begnadigt. Die 1952 gegründete IG Farben in Abwicklung muss das Restvermögen nach deutschem Aktienrecht liquidieren.

Die Liquidatoren zahlten Ende der 50-er Jahre insgesamt 27 Millionen Mark an ehemalige jüdische Zwangsarbeiter in westeuropäischen Ländern. Derzeit sind etwa 500 Klagen ehemaliger Zwangsarbeiter gegen die IG Farben anhängig.

Mitte der 80er Jahre verschärfte sich der Protest linker Gruppen und NS-Opferverbänden. Mehrfach gelang es, Hauptversammlungen zu verhindern, so dass 1998 keine stattfinden konnte. Die Unternehmenskritiker verlangen die sofortige Abwicklung der IG Farben, mit dem Restkapital von rund 21 Millionen sollen ehemalige Zwangsarbeiter entschädigt werden.

Fotos von der IG Farben HV von der Gruppe "Arbeiterfotografie"

Aufruf zur Demostration gegen die IG Farben

Es ist Vollbracht! Geschichtspolitik heute.
Broschüre der Antifa (G) zu IG Farben - Stiftungsinitiative - Entschädigungsfond - "Vergangenheitsbewältigung"
zum download als als rtf-Datei(70 KB)
und als gezipte rtf-Datei(23 KB)

Weitere Informationen:

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